Sozialunternehmen und ihre Geschäftsmodelle
Das Verständnis der Geschäftsmodelle von Sozialunternehmen ist entscheidend, um die Balance zwischen sozialem Impact und finanzieller Nachhaltigkeit zu optimieren. Sozialunternehmen verfolgen das Ziel, einen positiven gesellschaftlichen Einfluss zu erzielen, ohne dabei die wirtschaftliche Rentabilität aus dem Blick zu verlieren. Diese Herangehensweise ist wichtig, da nur so ein langfristige Wirkung erzielt werden kann. Durch die Analyse dieser Geschäftsmodelle können innovative Ansätze identifiziert werden, die es ermöglichen, soziale und wirtschaftliche Ziele miteinander zu verbinden. Dies fördert nicht nur die Erreichung der Unternehmensziele, sondern stärkt auch das Bewusstsein für soziale Verantwortung im Geschäftsleben (SEND e.V., o.D.).
Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, wie diese Geschäftsmodelle gestaltet sein können. Dazu zählen Modelle, die auf den Verkauf von Dienstleistungen oder Produkten sowohl an andere Unternehmen (B2B) als auch direkt an Konsumenten (B2C) ausgerichtet sind. Sie ermöglichen Sozialunternehmen, eine breite Zielgruppe zu erreichen und unterschiedliche Einkommensströme zu generieren (Achleitner et al., 2011). Als ein weiteres Beispiel dienen hybride Modelle, die gemeinnützige Aktivitäten mit gewinnorientierten Geschäftsbereichen kombinieren. Solche hybriden Modelle gewährleisten finanzielle Stabilität und maximieren gleichzeitig den sozialen Impact, indem sie die Einnahmen aus profitablen Geschäftsbereichen nutzen, um gemeinnützige Ziele zu unterstützen (Battilana & Lee, 2014). Diese Vielfalt zeigt, wie flexibel und kreativ Sozialunternehmen agieren können, um wirtschaftliche und soziale Ziele erfolgreich zu verbinden. Im Folgenden stellen wir Ihnen drei Geschäftsmodelle vor, jeweils mit einem Beispiel für ein Sozialunternehmen.
Ein Produkt – zwei Preise

Ein Produkt wird zu unterschiedlichen Preisen verkauft, abhängig vom jeweiligen Markt und der Kaufkraft der Kundinnen und Kunden.
Beispiel: Grameen Danone Joghurt
Hintergrund: Grameen Danone ist ein Sozialunternehmen, das aus einer Partnerschaft zwischen der Grameen Bank, gegründet von Muhammad Yunus (Friedensnobelpreisträger und Gründer eines Social Business zur Vergabe von Mikrokrediten in Bangladesch), und dem multinationalen Lebensmittelunternehmen Danone entstanden ist. Die Mission von Grameen Danone ist es, die Ernährungssituation in Bangladesch zu verbessern und gleichzeitig soziale und wirtschaftliche Vorteile für die lokale Bevölkerung zu schaffen.
Das Geschäftsmodell von Grameen Danone basiert auf dem Verkauf von nährstoffreichem Joghurt zu unterschiedlichen Preisen, abhängig vom jeweiligen Markt und der Kaufkraft der Kundinnen und Kunden.
- Produktion und Vertrieb:
- Grameen Danone stellt einen speziellen Joghurt her, der mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen angereichert ist, um Mangelernährung bei Kindern in Bangladesch zu bekämpfen.
- Der Joghurt wird in lokalen Produktionsstätten hergestellt, was sowohl Arbeitsplätze in der Region schafft als auch die lokale Wirtschaft stärkt.
- Preisgestaltung:
- Städtische Gebiete: In städtischen Gebieten, wo die Kaufkraft höher ist, wird der Joghurt zu einem höheren Preis verkauft. Die zahlungskräftigeren Kundinnen und Kunden in den Städten können sich diesen Preis leisten, und die höheren Einnahmen tragen dazu bei, die Gesamtkosten des Projekts zu decken.
- Ländliche Gebiete: In ländlichen und ärmeren Gebieten wird der Joghurt zu einem stark subventionierten, niedrigeren Preis verkauft. So erhalten auch Kinder aus einkommensschwachen Familien Zugang zu den nötigen Nährstoffen im Joghurt haben.

Get One, Give One: Bei diesem Modell kauft eine Kundin oder ein Kunde ein Produkt und ermöglicht damit die Spende eines ähnlichen Produkts an eine Person, die es sich nicht leisten kann.
Beispiel: Tom’s Shoes
Hintergrund: Tom’s Shoes wurde 2006 von Blake Mycoskie gegründet und erlangte Bekanntheit durch sein „One for One“-Geschäftsmodell. Dabei wurde für jedes verkaufte Paar Schuhe ein weiteres Paar an ein Kind in Not gespendet.
Produktangebot: Tom’s Shoes verkauft modische und komfortable Schuhe für Erwachsene und Kinder. Das Sortiment umfasst verschiedene Stile, darunter klassische Slip-Ons, Stiefel, Sandalen und Sneakers.
Kauf und Spende (Preisgestaltung):
Ein Paar kaufen: Beim Kauf eines Paars Tom’s Shoes sorgt eine Kundin oder ein Kunde nicht nur für Umsatz, sondern ermöglicht auch die Herstellung eines zusätzlichen Paares Schuhe.
Ein Paar spenden: Für jedes verkaufte Paar Schuhe spendet Tom’s Shoes ein weiteres Paar an bedürftige Kinder weltweit. Die Verteilung erfolgt in Partnerschaft mit lokalen gemeinnützigen Organisationen und NGOs, die sicherstellen, dass die Spenden effizient und wirkungsvoll ankommen.
Inzwischen hat sich Tom’s Shoes von diesem Modell abgewandt und spendet stattdessen ein Drittel seines Gewinns.
Impact Overview | TOMS (Zugriff 6.08.24)

Hybrid-Modelle: Diese kombinieren Elemente aus gemeinnützigen und gewinnorientierten Geschäftsmodellen. Ein Teil der Einnahmen wird reinvestiert, um die sozialen Ziele des Unternehmens zu unterstützen, während ein anderer Teil zur Deckung der Betriebskosten und zur Erzielung eines moderaten Gewinns verwendet wird.
Beispiel: Discovering Hands
Discovering Hands ist ein Sozialunternehmen, das blinde und sehbehinderte Frauen zu medizinischen Tastuntersucherinnen (MTU) ausbildet. Diese Frauen nutzen ihren ausgeprägten Tastsinn zur Früherkennung von Brustkrebs. Das Geschäftsmodell von Discovering Hands integriert verschiedene rechtliche und finanzielle Strukturen:
- Gemeinnützige Komponente:
- Ausbildung und Training: Die gemeinnützige Organisation bildet blinde Frauen aus. Hierzu werden Spenden gesammelt und Fördergelder genutzt.
- Verein: Ein Verein sammelt Spenden und Fördermittel, um die Ausbildung und die Weiterentwicklung des Projekts zu finanzieren.
- Gewinnorientierte Komponente:
- Kommerzielle Produkte: Discovering Hands hat spezielle Streifen entwickelt, die bei der Tastuntersuchung verwendet werden. Diese Streifen ermöglichen eine präzise Lokalisierung und Dokumentation und werden an medizinische Einrichtungen verkauft.
- Medizinische Dienstleistungen: Die MTUs bieten ihre Dienstleistungen in Kliniken und Praxen an. Diese Untersuchungen werden in vielen Fällen von den Krankenkassen übernommen, wodurch Einnahmen generiert werden.
Die Frage, die sich nun stellt: „Wie finanzieren sich Sozialunternehmen und ihre Geschäftsmodelle?“ Laut dem Deutschen Social Entrepreneurship Monitor (2024, S. 14) bleibt die Finanzierung für Sozialunternehmen eine der größten Herausforderungen. Sozialunternehmen müssen innovative Ansätze finden, um ihre Projekte und Initiativen nachhaltig zu finanzieren. Hierzu gehören unter anderem die Nutzung von Fördergeldern, die Zusammenarbeit mit Stiftungen und NGOs, Crowdfunding-Kampagnen sowie die Entwicklung von Einnahmequellen durch den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen zur Finanzierung der sozialen Mission.
Im nächsten Schritt wird daher kurz auf die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten für Sozialunternehmen eingegangen. Ziel ist es, Ihnen einen umfassenden Überblick über potenzielle Strategien zu geben, die zur finanziellen Stabilität und zum Wachstum sozialer Unternehmen beitragen können.

Impulsfragen:
- Wie finden Sie die vorgestellten Geschäftsmodelle?
- Warum benötigen Sozialunternehmen ggfs. alternative Finanzierungsansätze?
- Sind Sie bereit, mehr Geld auszugeben, wenn das Geld sinnvoll verwendet wird?