Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien
Digitale Medien sind längst ein unverzichtbarer Bestandteil von Schule und Unterricht. Sie ermöglichen individualisierte Lernwege, fördern Kreativität der Lernenden und erweitern den Zugang zu vielfältgen Ressourcen (Scheiter, 2021). Spätestens die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass digitale Werkzeuge nicht nur eine Ergänzung, sondern eine Voraussetzung für die Aufrechterhaltung von Bildung sein können (UNESCO, 2024).
Entscheidend ist jedoch nicht die reine Häufigkeit des Einsatzes, sondern die Qualität und Zielgerichtetheit. Studien belegen, dass digitale Medien vor allem dann lernwirksam sind, wenn sie kognitiv aktivierend und didaktisch sinnvoll eingebunden werden – nicht, wenn sie nur analoge Methoden nachahmen (Fütterer et al., 2022).
Damit wird deutlich: Digitale Medien verändern nicht nur den Unterricht, sondern auch das Rollenverständnis von Lehrkräften. Neben Fach- und Methodenwissen wird die Fähigkeit, digitale Tools reflektiert, rechtssicher und lernförderlich einzusetzen, zu einer Schlüsselkompetenz. Lehrkräfte brauchen diese Kompetenzen, um selbst sicher zu handeln und gleichzeitig, um ihre Schülerinnen und Schüler bei der Entwicklung eigener Medienkompetenzen zu unterstützen (KMK, 2016; Redecker, 2017).
Damit Lehrkräfte ihre Rolle im digitalen Wandel aktiv gestalten können, brauchen sie eine klare Orientierung, welche Fähigkeiten und Kenntnisse heute von Bedeutung sind. Einen hilfreichen Rahmen bietet hier das europäische Kompetenzmodell DigCompEdu, das zentrale Bereiche digitaler Professionalität von Lehrkräften beschreibt.
Kompetenzbereiche nach DigCompEdu mit Praxisbeispielen
| Kompetenzbereich | Kurze Beschreibung | Unterrichtsbeispiel |
| Digitale Ressourcen | Digitale Materialien suchen, bewerten, anpassen und rechtssicher nutzen sowie eigene Lernressourcen entwickeln und teilen. | Offene Bildungsressourcen (OER) über Serlo, LearningApps oder Canva auswählen, anpassen und im Schulcloud-Format bereitstellen. |
| Lehren und Lernen | Digitale Medien gezielt einsetzen, um Lernprozesse zu planen, durchzuführen und kollaboratives sowie selbstgesteuertes Lernen zu fördern. | Mit Padlet oder Miro kollaborative Pinnwände gestalten oder interaktive Tafelbilder im Online-Whiteboard gemeinsam entwickeln. |
| Lernorientierung | Digitale Tools nutzen, um Lernwege zu differenzieren, Lernende zu motivieren und individuelle Unterstützung zu ermöglichen. | Apps wie Anton, Quizlet oder Notion nutzen, damit Schülerinnen und Schüler im eigenen Tempo arbeiten und individuelle Lernpfade verfolgen können. |
| Evaluation | Digitale Technologien einsetzen, um Lernfortschritte sichtbar zu machen, formative Rückmeldungen zu geben und Lernprozesse zu steuern. | Mit Mentimeter oder Kahoot Rückmeldungen einholen und Lernfortschritte sichtbar machen. |
| Förderung der digitalen Kompetenzen der Lernenden | Lernende befähigen, digitale Medien kritisch, kreativ und verantwortungsvoll zu nutzen – von Informationsbewertung bis hin zur Medienproduktion. | Im Unterricht einen „Fake-News-Check“ durchführen oder einen Podcast zum aktuellen Wirtschaftsthema produzieren lassen. |
| Berufliches Engagement | Digitale Medien für die eigene Professionalisierung, kollegiale Zusammenarbeit und schulische Weiterentwicklung nutzen. | An Online-Fortbildungen teilnehmen oder sich über Teams oder Notion mit Kolleginnen und Kollegen austauschen und Materialien gemeinsam weiterentwickeln. |
Tabelle 1: Kompetenzbereiche nach DigCompEdu (Eigene Darstellung in Anlehnung an Redecker, 2017)
Um die eigenen digitalen Kompetenzen besser einschätzen zu können, bietet das DigiCompEdu einen hilfreichen Referenzrahmen. Aufbauend darauf wurde in Bayern das DigiCompEdu Bavaria-Tool entwickelt, mit dem Lehrkräfte ihre Stärken und Entwicklungsfelder selbst reflektieren können: hier geht es zum Selbstcheck.

Reflexionsfragen: In welchen Bereichen fühlen Sie sich sicher – wo möchten Sie sich weiterentwickeln? Welche digitalem Kompetenzen sind in Ihrem Fachunterricht besonders relevant?